(Lesezeit: 5 Minuten) „Social Collaboration“ und „SCRUM“ bzw. agile Entwicklung sind zwei Schlagworte, die im Bereich der Unternehmensorganisation immer stärker an Bedeutung gewonnen haben. Mit beiden Themen habe ich mich in den vergangenen Jahren auseinandergesetzt. Ich bin, da ich es in beratenden und operativen Rollen in der Praxis erleben konnte, mehr denn ja überzeugt davon, dass sie für Unternehmen deutlich größere Potentiale bieten, als klassische Prozessoptimierung.

Agile Entwicklung nach SCRUM und Social Collaboration haben einen gleichen Kern, werden jedoch in der Regel nicht zusammen gesehen. Unternehmen machen, wenn überhaupt, das Eine oder das Andere – dabei können beide Ansätze stark voneinander profitieren.

Der Kern – Transparenz & Vertrauen

Social Collaboration setzt darauf, dass Informationen im Unternehmen frei verfügbar sind und an einer, für alle erreichbaren Stelle (z.B. einem Social Intranet) zur Verfügung stehen. Mehr noch, sie können dort kommentiert, bearbeitet und von jedem verwendet werden. Direkte, hierarchieübergreifende Kommunikation beschleunigt den Austausch, Experten werden sichtbar, Gerüchte werden durch Transparenz vermieden und Entscheidungen werden offen diskutiert. Auch Fehler werden sichtbar. Alle Mitarbeiter im Unternehmen haben einen breiteren und aktuellen Wissensschatz mit dem sie arbeiten können – dies führt zu schnelleren Abläufen und besserer Qualität der Leistungen und Produkte.

Auch bei der agilen Produktentwicklung nach SCRUM werden klassische, an der hierarchie ausgerichtete Informationsflüsse vermieden. SCRUM setzt auf empirisches Management, welches aus den Schritten

  • Transparenz schaffen
  • Beobachten
  • Anpassen

besteht. Nur wenn Informationen für alle Beteiligten (Kunden, Nutzer, Entwicklungs-Team, Product Owner, SCRUM Master, Management) jederzeit offen sichtbar sind, kann eine Beobachtung und schnelle Anpassung erfolgen. Diese wiederrum ist notwendig, damit das iterative, an den Bedürfnissen der Nutzer und dem Business Value ausgerichtet Entwicklungsverfahren funktionieren kann. SCRUM verzichtet bewusst auf die monatelange Erstellung von Pflichten- und Lastenheften durch kleine, abgeschlossene Gruppen und setzt stattdessen auf direkten und transparenten Austausch zwischen Nutzern, Product Owner und dem Entwicklungsteam. Alle weiteren Stakeholder sind dazu eingeladen, jederzeit mitzuwirken. Auch hier werden Fehler sichtbar – dies wird als Wert geschätzt („fail fast, fail often“), denn daran können das Produkt oder die Abläufe im positiven Sinne verbessert werden.

In SCRUM spricht der Entwickler direkt mit dem Nutzer – Social Collaboration fördert, dass der Azubi den Blog-Beitrag des Geschäftsführers für alle sichtbar kommentiert. Dieser direkte, hierarchieübergreifende Austausch fördert das Verständnis füreinander, die Verantwortung und führt zu schnelleren und besseren Ergebnissen.

Die Unterschiede – bessere Zusammenarbeit vs. bessere Produkte

Social Collaboration und SCRUM haben den gleichen Kern, verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele. Auch wenn immer häufiger versucht wird, agile Methoden auf ganze Organisationen anzuwenden, ist SCRUM eine Methodik für die schnellere und qualitativ bessere Entwicklung von Produkten und Lösungen. Dies ist ein elementarer Teil einer Unternehmung – aber eben auch nur ein Teil, denn ohne Produktion, Service, Marketing usw. hätte auch das beste Produkt keinen Wert für ein Unternehmen.

Social Collaboration setzt auf einen breiten, hierarchie- und abteilungsübergreifenden Austausch im Unternehmen. Die Vorteile entstehen daraus, dass die Bereiche und Mitarbeiter mehr voneinander wissen, Informations- und Expertensuche vereinfacht wird. Mehrwerte entstehen dabei oftmals zufällig, z.B. weil ein Mitarbeiter aus dem Service, der sonst nie gefragt worden wäre, dem Vertriebler, der seine Frage im Social Intranet für alle sichtbar gestellt hat, einen Tipp für eine Kundenlösung geben kann.

Social Collaboration wirkt stärker horizontal im Unternehmen, die Vorteile entstehen aus der Vernetzung aller Bereiche miteinander. SCRUM fokussiert sich vertikal auf den Produktentwicklungs-Prozess, Vorteile entstehen aus der Transparenz und der direkten Einbindung der Nutzer und aller Stakeholder in die Entwicklung.

SCRUM und Social Collaboration – gemeinsam stark

Agile Entwicklung nach SCRUM und Social Collaboration haben den gleichen Kern und können gegenseitig sehr stark voneinander profitieren.

Die Einführung von Social Collaboration in ein Unternehmen ist eine Initiative die, soll sie erfolgreich sein, auf mehereren Ebenen umgesetzt wird. Neben der Technologie-Bereitstellung sind Prozesse anzupassen und das Denken der Mitarbeiter, vom Azubi bis Geschäftsführer, zu verändern. Der Aufbau eines Social Intranet und die Anpassung von Prozessen sollten in kleinen überschaubaren Schritten anhand konkreter Anwendungsfälle erfolgen. Dies verspricht schnelle Ergebnisse und positive Erlebnisse der Nutzer helfen dabei, den Wandel des Denkens hin zu offener Information und Kommunikation zu fördern. Die schnelle, iterative Bereitstellung nutzbarer Software-Inkremente und die Einbindung der Nutzer in die Entwicklung ist ein Kernelement und Erfolgsfaktor von SCRUM und damit sehr gut als Methodik geeignet, Social Collaboration im Unternehmen einzuführen.

Das empirische Management (Transparenz schaffen, Beobachten, Anpassen), welches SCRUM zugrunde liegt, benötigt eine offene und interaktive Plattform, wie sie durch Social Collaboration Tools wie Wikis, Blogs und Foren bereitgestellt wird. Dies vereinfacht den direkten Austausch zwischen allen Beteiligten und schafft die notwendige Transparenz für die ständige Beobachtung und Anpassung. Eine etablierte „Social“-Denkweise, welche eine offene, direkte Kommunikation zwischen den Stakeholdern innerhalb und ausserhalb des Unternehmens fördert, verstärkt die positive Wirkung von Social Collaboration auf SCRUM Prozesse.

SCRUM kann der Startpunkt für Social Collaboration im Unternehmen sein und umgekehrt. Betrachtet man sie gemeinsam, können zwei Optimierungen im Unternehmen gleichzeitig angestossen werden – zum Vorteil aller Beteiligten.

 

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