Digitale Unternehmen setzen darauf, ihre Nutzer mit immer breiteren Angeboten zu versorgen. Sie erschaffen digitale Ökosysteme, auf denen sie eine breite Palette unterschiedlichster Dienste anbieten. Für die Nutzer ist dies komfortabel – für die Unternehmen ist es ein gutes Geschäft.

Die nachfolgende Grafik, entnommen aus dem „Digital Economy Compass“ des Statistik-Portals statista zeigt, wie viele Bereiche die „big four“ der Digitalunternehmen mit ihren Diensten bedienen:

statista digital ecosystems

Quelle: statista Digital Compass

Der Wert für die Anbieter

Ein digitales Unternehmen lebt von seiner ausgeprägten Kunden-Fokussierung. Es will mich als Kunden verstehen, wonach ich suche, wann ich welche Musik höre und wohin ich morgen früh fahre. Das Kunden-Verständnis generiert sich aus einer möglichst breiten Fülle an Informationen über mich. Hier kommen die digitalen Ökosysteme ins Spiel – durch die Nutzung der Angebote hinterlasse ich Informationen über mich. Je öfter und breiter ich das Angebote nutze, um so genauer wird die Profilierung, die Einschätzung des Anbieters über meine Pläne, Interessen und Bedarfe – die Basis für pass-genaue Produkte und individuelle Angebote.

Viele der Dienste werden ohne (z.B. Google Docs, Google Maps) oder gegen geringe monetäre Vergütung bereitgestellt (Amazon Prime Music / Video). Und dies aus zwei guten Gründen:

  • für mich als Nutzer wird die Hürde gesenkt, den Dienst zu nutzen
  • die Daten, die die Anbieter gewinnen, sind mehr Wert als die Gegenleistung in Form des Dienstes.

Das dieses Prinzip funktioniert zeigt, dass die Anbieter weiterhin gezielt neue Märkte angehen, wie z.B. die Mobilität (Connected Car). Dies erfordert nicht unerhebliche Investitionen, die sich am Ende rechnen werden. Hinter den digitalen Ökosystemen steckt wirtschaftliches Kalkül der Anbieter – schließlich sind sie mit ihren jährlichen Milliardengewinnen nicht unbedingt verdächtig, wohltätige Organisation zu sein.

Ein weiterer großer Nutzen für die Anbieter ist die Kundenbindung. Ein Wechsel zwischen den Ökosystemen ist für mich als Nutzer aufwändig und erfordert oft neue Hardware (z.B. beim Wechsel von Android zu Apple iOS), neue Adapter usw.. Da überlege ich mir dreimal, ob ich mir das antun will, gerade wenn die Dienste vergleichbar sind.

Die Sicht als Nutzer: sind digitale Ökosysteme „Daten-Kraken“?

Ja, natürlich sind sie das, das ist ihr originärer Zweck. Gerade an diesem Punkt erlebe ich die Diskussion in Deutschland als oft zu einseitig und negativ. Gerne möchten wir die vielfältigen und kostenlosen Dienste nutzen – aber unsere Daten sollen bitteschön nicht verwendet werden. Das kann allerdings nicht funktionieren – wie bei jedem Geschäft geht es um Leistung (=Dienste des Anbieters) und Gegenleistung (=unsere Nutzungs-Daten).

Hier müssen wir aus meiner Sicht gesellschaftlich ansetzen – mit der Stärkung der digitalen Kompetenz jedes Einzelnen. Die Menschen müssen das Prinzip erklärt bekommen und verstehen. Ist das Verständnis da, kann jeder  für sich entscheiden, ob und wie intensiv er die Dienste nutzt oder eben nicht. Niemand wird gezwungen, es ist eine freie Entscheidung jedes Einzelnen. Wichtig ist, dass man es bewusst entscheidet.

Für mich persönlich gilt, dass ich den Komfort vieler Dienste wie z.B. Amazon Prime nicht mehr missen möchte – und daher bereit bin, für diese Dienste mit meinen Nutzungs-Daten zu bezahlen. Und ich bin jederzeit bereit, diese persönliche Einstellung zu überprüfen und wenn nötig zu ändern.